ENTWURFSWERKSTATT IN HAMBURG
Der 2009 mit dem deutschen Beitrag in São Paulo begonnene Austausch wird fortgesetzt: Am 6. September 2010 startete die brasilianisch-deutsche Entwurfswerkstatt für 21 Studenten und Professoren der Universidade de São Paulo, USP-São Carlos, Escola da Cidade São Paulo sowie der HafenCity Universität Hamburg. Bis zum 18. September 2010 wird in der Ausstellung des deutschen Beitrags, die im Kunstverein in Hamburg zu sehen ist, an verschiedenen Aufgabenstellungen im Präsentationsgebiet der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg gearbeitet. Auch damit kommt es zum Brückenschlag zur letztjährigen Entwurfswerkstatt, war doch die Ausstellung vor einem Jahr in São Paulo ebenfalls der Arbeits- und Präsentationsort für die Workshop-Teilnehmer.
Eingebettet in die Entwurfswerkstatt fand am 7. September 2010 eine Abendveranstaltung im Kunstverein statt, bei der die brasilianischen Professoren besondere Projektbeispiele aus der Metropole São Paulo vorstellten.
Offizieller Förderer des diesjährigen Architektur- und Planungsworkshop
ist die SAGA GWG.
ENTWURFSWERKSTATT VOM 2. BIS 13. NOVEMBER 2009
IN SÃO PAULO
Anfang November arbeiteten deutsche und brasilianische Experten und Studenten in einer interdisziplinären Entwurfswerkstatt an einer konkreten städtebaulichen Aufgabenstellung vor Ort. Gegenstand der zweiwöchigen Werkstatt im Rahmen des deutschen Beitrags war die Stadt Diadema, die sowohl typische Merkmale und Probleme der Peripherie der Metropole São Paulo als auch die spezifischen Aspekte von Diadema und ihrer gegenwärtigen Situation zeigt.
Dreißig Teilnehmer brasilianischer und deutscher Universitäten stellten sich der gemeinsamen Aufgabe: Aus Deutschland war der Fachbereich Stadtplanung, Institut für Städtebau und Quartiersplanung der Hafencity Universität Hamburg sowie die Fakultät für Architektur und Landschaft, Institut für Freiraumentwicklung der Leibniz Universität Hannover eingeladen. Von brasilianischer Seite waren die Faculdade de Arquitetura e Urbanismo da Universidade de São Paulo, die Faculdade de Arquitetura e Urbanismo da USP-São Carlos, die Faculdade de Arquitetura e Urbanismo da Universidade Presbiteriana Mackenzie São Paulo sowie die Escola da Cidade São Paulo beteiligt. Die Stadtverwaltung von Diadema arbeitete aktiv mit.
In Diadema gibt es verschiedene städtische Bereiche, die von der Stadtverwaltung in den kommenden Jahren bearbeitet werden sollen, für die aber bislang keine konkreten Planungen vorliegen. Ziel der Entwurfswerkstatt war, gemeinsam, mit den jeweiligen spezifischen Hintergrundwissen und Herangehensweisen, neue Ideen zu entwickeln und daraus Planungsvorschläge abzuleiten. Die Ergebnisse wurden direkt vor Ort innerhalb der Ausstellung CIDADE PARA TODOS vorgestellt.
Die Stadt Diadema
Diadema ist eine verhältnismäßig „neue“ Stadt innerhalb der Metropolregion São Paulo, die Ende der 1950er Jahren ihre Eigenständigkeit erlangte und sich lange als typische „Schlafstadt“ neben den benachbarten Industriestädten Santo André, São Bernardo und São Caetano entwickelte. Die rasante und unkontrollierte Stadtentwicklung führte zur Entstehung eines ungeordneten Stadtgebildes, in dem legale und illegale Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und sonstige Bauten unterschiedlicher Größe und Form dicht nebeneinander stehen. Flusstäler und Hänge wurden respektlos überbaut, gleichzeitig kann die mangelhafte städtische Infrastruktur nur Teile der Bevölkerung versorgen. Diadema ist heute die am zweitdichtesten bebaute Stadt Brasiliens und verfügt über sehr wenige Freiflächen für die Naherholung ihrer etwa 400.000 Einwohner.
Mit dem Bau der Autobahn „Rodovia dos Imigrantes“ als bedeutende Verbindung zwischen der Hafenstadt Santos und der Metropolregion von
São Paulo in den 1970er Jahren wurde die ohnehin fragile urbane Struktur Diademas in zwei Hälften geteilt: Stadtbezirke wurden zerschnitten, Straßen und Wege durchtrennt. Die wenigen noch vorhandenen Grünflächen gingen verloren, und Teile der Bevölkerung wurden vertrieben. Am Rande der von zwei Grünstreifen flankierten Autobahn entwickelten sich informelle Siedlungen und Favelas. Seit Ende der 1990er Jahren wurden große Anstrengungen unternommen, um eine „städtische Akupunktur“ voranzutreiben. Dazu gehören die Urbanisierung von Favelas, der Bau von Sozialwohnungsbauten, die Qualifizierung von öffentlichen Flächen, Plätzen und verwahrlosten Grundstücken. Seit der Privatisierung der Autobahn in den 1990er Jahren wird versucht, die entstandene Situation gemeinsam mit dem Autobahnbetreiber zu verbessern, jedoch mit bisher geringem Erfolg.
Die Eigenmittel der Stadt und die gelegentlichen Zuschüsse aus dem Bundesland São Paulo sowie aus Brasilia werden für die Realisierung einzelner Projekte eingesetzt. Die zur Verfügung stehenden Mittel stehen jedoch in keinem Verhältnis zum Maßstab der vorhandenen Probleme. |